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Verhütung – Was gibt es, wie wirkt es und was passt zu mir?

Inhaltsverzeichnis
Verhütung beim Sex - Welches Verhütungsmittel passt am besten zu mir?

Verhütung ist nach wie vor ein wichtiges Thema. Sie verhindert nicht nur die ungewollte Schwangerschaft. Einige Verhütungsmittel schützen auch vor Geschlechtskrankheiten. Im Angesicht der großen Vielfalt der Verhütungsmittel steigt bei vielen Österreicherinnen und Österreichern die Unsicherheit. Also, welche Möglichkeiten gibt es? Wie wirken sie? Und welche Art der Verhütung passt am besten zu mir? Wir liefern die wichtigsten Antworten.

Das Problem mit der Verhütung in Österreich

Wie Verhüten die Österreicherinnen und Österreicher? Und welche Verhütungsmethode ist hierzulande die beliebteste? Um diese und viele weitere Fragen kümmert sich der Verhütungsreport 2019. Dass in Sachen Verhütung nicht alles rosig läuft, legt der Report ebenfalls nahe. “Es wird weniger wirksam verhütet.

Wir verzeichnen in Österreich eine niedrige Geburtenrate – eine der niedrigsten in westeuropäischen Ländern. Allerdings sind wir in Bezug auf Schwangerschaftsabbrüche im Spitzenfeld”, so der Gynäkologe Dr. Christian Fiala, der sich für den Verhütungsreport 2019 mitverantwortlich zeichnet.

Gerade im Hinblick auf die hormonelle Verhütung nimmt die Skepsis speziell bei den Österreicherinnen in den letzten Jahren drastisch zu. Immerhin ist der Anteil der Frauen, die hormonell verhüten von 60 Prozent im Jahr 2012 auf 44 Prozent im Jahr 2019 gesunken. Grund genug, einmal einen nüchtern Blick auf die ganze Bandbreite der Verhütungsmittel und ihre Wirkungsweise zu werfen.

Definition: Was ist der Pearl-Index?

Ein Verhütungsmittel macht nur dann Sinn, wenn es auch sicher vor einer Schwangerschaft schützt. Um genau das objektiv beurteilen zu können, hat der US-Forscher Raymond Pearl eine Vergleichsgrundlage geschaffen. Der nach ihm benannte Pearl Index gibt an, wie sicher eine bestimmte Verhütungsmethode ist.

Grundlage für die Bewertungsskala ist eine statistische Stichprobe von 100 Frauen, die ein bestimmten Verhütungsmittel über einen Zeitraum von einem Jahr einsetzen. Wird etwa eine Frau bei der durchgängigen Nutzung eines Verhütungsmittels wie der Spirale doch schwanger, liegt der Pearl Index bei 1. Liegt der Pearl Index bei 0,1, bedeutet dies dagegen, dass nur eine von 1000 Frauen trotz Verhütung schwanger wird.

Es gilt also: Je niedriger der Pearl Index für ein Verhütungsmittel ausfällt, desto zuverlässiger funktioniert es. Allerdings kann der Pearl-Index nur einen Anhaltspunkt geben. Da Anwendungsfehler nicht vollständig im Index abgebildet werden können, ist eine allgemeingültige Aussage schwierig.

Pearl-Index der gebräuchlichsten Verhütungsmittel

3 Klassen von Verhütungsmitteln: Von wegen nur Pille und Kondom

Wer sich über das Thema Verhütung Gedanken macht, dem kommen als erstes die Pille und das Kondom in den Sinn. Sicherlich handelt es sich hier um die in Österreich verbreitetsten Verhütungsmittel. Diese sind allerdings nicht für jeden das Richtige. Dementsprechend lohnt ein Blick auf die ganze Bandbreite der Verhütungsmittel, die sich in hormonelle Verhütung, chemische Verhütung und mechanische Verhütung unterteilen.

Mechanische Verhütung - Von Kondom bis FemCap

Das Funktionsprinzip der mechanischen Verhütung ist einfach: Die Verhütungsmittel verhindern durch eine mechanische Barriere, das Samenflüssigkeit in die Gebärmutter gelangt. Oftmals werden diese Mittel zur besseren Wirksamkeit mit chemischen oder hormonellen Verhütungsmitteln kombiniert.

Kondom

Das Kondom ist abgesehen vom Femidom das einzige Verhütungsmittel, das sowohl vor der Schwangerschaft als auch vor der Ansteckung mit sexuell übertragbaren Krankheiten schützt. Das aus Latexgummi bestehende Kondom wird vor dem Geschlechtsverkehr über das Glied gerollt und hält in einem Reservoire die Samenflüssigkeit zurück. Ein zweites Kondom erhöht die Sicherheit beim Einsatz enorm.

Femidom

Beim Femidom handelt es sich um das Kondom-Pendant für Frauen. Ebenso wie das Kondom verhindert es die Schwangerschaft und die Übertragung von Krankheiten. Es wird in die Scheide eingeführt und verhindert, dass Spermien in die Gebärmutter gelangen können. Als alleiniges Verhütungsmittel ist das Femidom weniger zu empfehlen. Wichtig: Derzeit ist das “Frauenkondom” in Österreich nicht direkt erhältlich. Es kann jedoch über den Versandhandel bestellt werden.

Diaphragma

Hierbei handelt es sich um eine elastische Kappe aus Latex oder Silikon. Diese wird individuell von der Gynäkologin bzw. dem Gynäkologen für jede Frau exakt angepasst. Bei entsprechend guter Pflege kann das Diaphragma für ein bis zwei Jahre dauerhaften Schutz bieten. Wichtig: Für einen zuverlässigen Schutz wird die Kombination mit einer samenabtötenden Creme empfohlen.

Chemische Verhütung - Spermizide in Form von Gels und Cremes

Während die mechanischen Verhütungsmittel den Spermien den Weg versperren, wirken die chemischen Verhütungsmittel direkt auf die Spermien ein. Die sogenannten Spermizide sind Substanzen, welche die Spermien beispielsweise in ihrer Beweglichkeit stören und somit das Eindringen in den Muttermund verhindern.

Andere Spermizide dagegen töten Spermien gleich ab oder bilden vor dem Muttermund eine Barriere, die von Spermien nicht durchdrungen werden kann. Der Pearl Index der chemischen Verhütungsmittel liegt zwischen 3 und 21. Das wiederum zeigt, dass die chemische Verhütung alleine nicht sicher ist.

Eine Kombination mit anderen Verhütungsmitteln ist daher unerlässlich. Das gilt vor allem für Frauen, die nicht hormonell verhüten möchten. Für möglichst hohe Sicherheit müssen die chemischen Mittel mindestens 10 Minuten vor dem Geschlechtsverkehr verwendet werden. Zudem sind nicht alle Gels, Cremes und Zäpfchen mit Kondomen kombinierbar.

Hormonelle Verhütung - Ein Streitthema

Die hormonelle Verhütung ist für viele Frauen noch immer die verbreitetste Art der Verhütung. Auch wenn es unterschiedliche Methoden angefangen von der Pille bis hin zur Dreimonatsspritze gibt, ist die Wirkung hormoneller Verhütungsmittel ähnlich. Sie alle greifen durch ihre Wirkstoffe (z.B. Östrogene und Gestagene) in den Hormonstoffwechsel ein.

Somit unterdrücken sie beispielsweise den Eisprung, verändern die Beschaffenheit des Zervixschleims im Gebärmutterhals oder verhindern gar den monatlichen Aufbau der Gebärmutterschleimhaut. Die folgenden Optionen stehen dabei für die hormonelle Verhütung zur Verfügung:

Pille

Den “Klassiker” gibt es in verschiedenen Arten und Ausführungen, die in verschiedenen Phasen wirken können. Mit einem Pearl Index von 0,1 bis 0,9 ist die Pille sehr zuverlässig, muss aber auch regelmäßig eingenommen werden.

Minipille

Anders als die klassische Pille ist die Minipille frei von Östrogen, was die potenziellen Nebenwirkungen reduziert. Sie enthält ausschließlich das Gelbkörperhormon Gestagen. Der Pearl Index liegt bei 0,5 bis 3.

Dreimonatsspritze

Wie der Name es bereits vorwegnimmt, erhalten Frauen bei der Dreimonatsspritze alle drei Monate eine hochdosierte Injektion Gestagen.

Vaginalring

Der Vaginalring ist ein flexibler Kunststoffring, der wie ein Tampon in die Scheide eingeführt wird. Dort gibt er je nach Zusammensetzung die Hormone Östrogen und Gestagen über die Schleimhaut ins Blut ab.

Hormonspirale

Bei der Spirale handelt es sich um einen T-förmigen Kunststoffkörper, der mit einem Hormonzylinder ausgestattet ist. Die Spirale wird von Frauenärzt*innen mit einem Röhrchen in die Scheide eingeführt und gibt dort langzeitig Hormone ab. Der Pearl Index ist mit 0,2 bis 0,4 sehr gut.

Hormonimplantate

Das Hormonimplantat funktioniert ähnlich wie die Spirale. Allerdings wird das ca. 4 cm lange und 2 mm dünne Stäbchen an der Innenseite des Oberarms eingesetzt. Der Schutz hält bis zu drei Jahre.

Hormonpflaster

Hormonpflaster enthalten ähnlich wie die Kombinationspille sowohl Östrogen als auch Gestagen. Die Hormone werden über die Haut aufgenommen. Ein Pflaster schützt für etwa 7 Tage. Für den langfristigen Gebrauch ist das Pflaster durch die äußere Anwendung weniger geeignet.

Umfassende Beratung durch Gynäkolog*innen ist unerlässlich

Alle Verhütungsmittel haben ihre eigenen Vor- und Nachteile. Eine Patentlösung die für jedermann zu 100 Prozent zufriedenstellend ist, gibt es nicht. Umso wichtiger ist eine umfassende Beratung durch erfahrene Gynäkolog*innen. Das gilt vor allem im Hinblick auf den Einsatz der als sehr effektiv geltenden hormonellen Verhütungsmittel. Immerhin greifen diese in den Hormonhaushalt ein, was zu Nebenwirkungen sowie Wechselwirkungen mit Medikamenten führen kann.

Auch was die Kombinierbarkeit von verschiedenen mechanischen, chemischen und hormonellen Verhütungsmitteln angeht, empfehlen wir eine umfassende persönliche Beratung. Eine Verhütung funktioniert schließlich nur dann, wenn die optimal aufeinander abgestimmt ist, dauerhaft durchgehalten wird und individuell zu einer Person passt.

  • https://www.woman.at/a/verhuetungsreport2019
  • https://www.profamilia.de/themen/verhuetung/pearl-index
  • https://www.gesundheit.gv.at/leben/sexualitaet/verhuetung/verhuetungsmittel/inhalt

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