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Physiotherapie und Sportverletzungen

Inhaltsverzeichnis

Unter Sportverletzungen versteht man alle Verletzungen die akut während der Ausübungen eines Sportes auftreten. Aber auch Folgeschäden durch chronische Überlastung oder Fehlbelastung während der sportlichen Aktivität fallen hier darunter. Der Physiotherapeut hat in der Betreuung der Sportler eine Schlüsselrolle. Nach einer Diagnose durch den Sportorthopäden soll eine Therapie erfolgen, die Ursachen bezogen ist und nicht nur Symptome behandelt. Das Ziel ist es Sportler umfassend zu betreuen, um einerseits präventiv Verletzungen zu vermeiden und andererseits in der Rehabilitation Kraft, Flexibilität, Propriozeption und Muskelgleichgewicht wiederherzustellen. Es haben sich drei wesentliche Teilbereiche herauskristallisiert welche in der Sportphysiotherapie unterschieden werden.

Die Prävention

Verletzungen und Überlastungsschäden vorzubeugen erfordert eine genaue Kenntnis der Bewegungsabläufe einer spezifischen Sportart. Die detaillierte Ursachenforschung einzelner Überlastungssyndrome bedarf eine gute Zusammenarbeit mit Sportorthopäden und Trainer. Grundlagentraining, richtiges Aufwärmen und sportartspezifisches Muskeltraining gilt in der Prävention von akuten Sportverletzungen (z.B. Kreuzbandverletzungen,..) als essenziell.

Die Rehabilitation

Patienten sollen wieder zu ihren gewohnten Bewegungsabläufen herangeführt werden, welche im Alltag und bei ihrem Sport benötigt werden. Kraft, Flexibilität, Propriozeption und Muskelgleichgewicht sollen wiederhergestellt werden. „Return to activity“, „return to sport“ und „return to competion“ beschreiben Meilensteine in der Rehabilitation nach einer Verletzung die vom Physiotherapeuten genau überwacht und begleitet werden. Bevor ein Sportler wieder für einzelne Sportarten freigegeben werden kann muss er gewisse Testbatterien durchlaufen, welche dem Physiotherapeuten und dem Sportorthopäden zeigen, dass das Risiko einer neuerlichen Verletzung gering ist.
Die unmittelbare zielgerichtete Betreuung des Sportlers ist wichtig um Ausfallzeiten zu minimieren. Leistungssportler sind meist ohnedies sehr gut betreut, Amateure oder Hobbysportler sind da weniger glücklich und können sich erst nach einer

Verletzung einen guten Physiotherapeuten suchen. Ein schlechter Outcome ist zur erwarten wenn die Physiotherapie erst Wochen oder Monate nach einem operativen Eingriff stattfindet.

Die Regeneration

Ausreichende Regenerationszeiten sind wichtig um präventiv Verletzungen vorzubeugen. Es bedarf eine gut Kenntnis des Ausdauer- und Kraftzustandes der einzelnen Sportler um die Leistungsfähigkeit zu steigern ohne ins Übertraining zu rutschen. Hier kann die Sportphysiotherapie mit passiven aber auch aktiven Therapiemöglichkeiten die Regeneration unterstützen.

Das Übertraining ist ein gefürchtete Zustand welcher nur schwer festzustellen ist. Unzureichende Ruhephasen, schlechter oder zu kurzer Schlaf, aber auch falsche Ernährung führen zu Übermüdung des Sportlers, welcher dadurch deutlich verletzungsanfälliger wird. Auch ein übermotivierter Sportler oder Trainer führen oft zum Übertraining, weshalb es im Aufgabenbereich der Physiotherapeuten oder Sportorthopäden liegt, diesen Zustand aufzudecken und zu thematisieren.

Erstbehandlung vor Ort

In der Therapie akuter Verletzungen hat sich mittlerweile dass sogenannte POLICE (Protection, Optimal Loading, Ice, Compression, Elevation) Schema durchgesetzt. Der Unterschied zur früheren PRICE Regel ist nun, dass das „optimal loading“ das frühere „rest“ (ruhen) ersetzt hat.

Protection: Ein ruhigstellen des verletzten Körperanteiles soll vor weiteren Verletzungen schützen

Optimal Loading: Durch die optimale Belastung von verletzten Gewebe in der Frühphase der Verletzung sollen physiologische Anpassung und Geweberegeneration maximiert werden. Die optimale Belastung zu erreichen ist natürlich eine große Herausforderung da
jedes Gewebe und jede Verletzung unterschiedlich auf Belastung reagiert. Frühzeitiges Dehnen und Gewebebelastung im Schmerzfreien Bereich führen zu einer schnelleren Bewegungsfreiheit und besseren Regeneration des Gewebes.

Ice: Lokale Eisanwendungen soll helfen Schmerzen zu lindern und übermäßige Schwellungen und Entzündungsreaktionen zu verhindern.

Compression: Kompressionsverbände reduzieren ebenfalls Schwellungen und unkontrollierte Einblutungen, welche in weiterer Folge auch die Ausfallszeit reduziert.

Elevation: Durch hochlagern der betroffenen Körperpartie wird der Blutfluss in das verletzte Gewebe reduziert und der Abfluss von Schadstoffen erleichtert.

Was für Therapiemethoden stehen dem Physiotherapeuten zur Verfügung?

Fast immer wird eine Kombination mehrerer Therapiemethoden angewandt um den Sportler wieder fit zu bekommen. Viele Möglichkeiten stehen dem Physiotherapeuten zur Auswahl; hier sind die häufigst angewandten exemplarisch aufgelistet:

Manuelle Therapie: Hier kann der Therapeut mit gezielten Handgrifftechniken blockierte Gelenke mobilisieren und damit direkt Schmerzen lindern.

Medizinische Trainingstherapie: Diese ist ein großer Bestandteil der Sportphysiotherapie. Durch Übungen mit eigenem Körpergewicht, aber auch mit Terra Bänder und Hanteln kann im Rahmen der Rehabilitation Muskeln wieder gekräftigt werden, die nach längerer Aktivitätspause geschrumpft sind.

Lymphdrainage: Durch sanfte Massagetechniken wird das Lymphsystem angeregt und der Abstrom, insbesondere nach Operationen, verbessert. Schwellungszustände können somit schnell verbessert werden.

Massage und Triggerpunktmassage: Unterstützend zu anderen Techniken werden hier Musekelverspannungen gelöst und direkt die Schmerzen gelindert.

Kinesotaping: Im Gegensatz zum klassischen Tape ist das Kinesiotape elastisch und führt unter anderem durch Mikromassagen zur Schmerzlinderung, Verbesserung des Lymphabstromes und Schmerzlinderung.

Klassisches Taping: Das klassische starre Tape wird zur Ruhigstellung einzelner Gelenke im Training oder als Erstmaßnahme beim Wettkampf verwendet.

Elektrotherapie: Die Elektrotherapie soll durch unterschiedliche Stromformen natürliche Heilvorgänge anregen und verbessern. Chronische Schmerzzustände und Durchblutungsstörungen können gut adressiert werden.

Muskelverletzungen

Muskelverletzungen gehören im Sport zu den häufigsten Sportverletzungen. Dies kann  vom banalen Muskelkater bis zu Zerrung und Muskelriss führen. Da ein Muskel ein sehr gut durchblutetes Gewebe ist entstehen auch sehr rasch Einblutungen und Schwellungen, welche zusätzlich aufgrund der hohen Anzahl an Nervenendigungen auch meist recht schmerzhaft sind. Noch einmal muss darauf hingewiesen werden, dass ausreichende Regenerationszeiten, richtiges Aufwärmen und Mobilisierungsübungen vor dem Sport zur Prävention wesentlich sind.

Wie kommt es zur Muskelverletzung?

Von der Muskelzerrung bis zum Muskelfaserriss und Bündelriss ist es ein fließender Verlauf. Zweigelenkige Muskeln (Muskeln die sich über zwei Gelenke spannen), insbesondere der Beinrückseite (ischiokrurale Muskulatur) sowie der Beininnenseite (Adduktoren) neigen besonders zur Verletzung. Nach ungenügendem Aufwärmen führt eine plötzliche Muskelanspannung über dessen Elastizitätsgrenzen hinweg, zu einer
Überdehnung einzelner Fasern. Das Ausmaß des Traumas welches oft im übermüdeten oder übertrainierten Muskel zu finden ist bestimmt ob eine Zerrung, ein Muskelfaserriss oder der Riss eines ganzen Muskelbündels eintritt.

Was für Beschwerden findet man?

Krampfartige, tief sitzende meist ziehende Schmerzen treten meist im überbeanspruchten Muskel auf. Beim Muskelfaser- oder Bündelriss kommen stechende Schmerzen und Funktionsverlust des Muskel dazu.

Therapie einer Muskelverletzung

Auch hier ist das oben beschriebene POLICE Schema anzuwenden um ein übermäßiges Einbluten in den Muskel zu reduzieren und den Entzündungsreiz zu minimieren. Kompression, Eis Behandlungen, Schonung und eine frühzeitige physiotherapeutische
Behandlung lassen den Sportler schnellstmöglich wieder seinen gewohnten Sport ausüben.

Kreuzbandriss

Ein vordere Kreuzbandverletzung ist eine sehr häufige, schwerwiegende und zeitintensive Sportverletzung. Die Rückkehr zum vormaligen Wettkampfniveau liegt bei ca. 50% weshalb sie in der Sportwelt auch so gefürchtet ist. Ob eine Kreuzbandverletzung operativ versorgt gehört ist meist eine individuelle Entscheidung des Sportlers gemeinsam mit dem Sportorthopäden. Primär werden abschwellende und kühlende Maßnahmen durch den Therapeuten gesetzt um den Reizzustand so schnell wie möglich in den Griff zu bekommen. Das schnellstmöglich Erreichen der vollen Streckung ist sowohl bei der konservativen Therapie, als auch nach einer Operation wichtig. Da eine Streckhemmung oftmals schwer zu lösen ist und ein normales Gangbild ausschließt. Wenn ein konservativer Versuch gestartet wird müssen die Kreuzband protektiven Muskelgruppen gestärkt werden. Dies sind die ischiokrurale Muskulatur (Oberschenkelrückseite), welche den Unterschenkel gegenüber dem Oberschenkel nach hinten ziehen und somit die Funktion des Kreuzband kompensieren können. Eine vorliegenden Rotationsinstabilität kann durch Muskeltraining nicht stabilisiert werden, weshalb in diesen Fällen eine Operation notwendig wird.

verfasst von Dr. Gustav Timmel, Facharzt für Orthopädie & orthopädische Chirurgie

Spezialist für Sportverletzungen jeglicher Art, arthoroskopische Gelenkseingriffe insbesondere an Knie und Schulter. Auch der endoprothetische Gelenksersatz der Hüfte, der Schulter und des Kniegelenkes, sowie die Versorgung jeglichen Knochenbruches gehören zu meinem Tagesgeschäft.

Fotoquellen: Adobe Stock, https://stock.adobe.com; https://elements.envato.com

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