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Screening Untersuchung – die Suche nach versteckten Krankheiten

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Screening Untersuchung?

Bei einer Screening Untersuchung werden Menschen, die keine Symptome aufweisen, auf eine bestimmte Erkrankung gescreent, mit dem Ziel, noch nicht symptomatische Frühstadien dieser Erkrankung rechtzeitig zu erkennen und die Patienten somit früher einer geeigneten Therapie zuzuführen.

Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit eine Screening Untersuchung überhaupt durchgeführt werden kann?

Die Erkrankung nach der gesucht wird, sollte mit einer einigermaßen relevanten Häufigkeit auftreten. Es hat keinen Sinn eine riesengroße vermeintlich gesunde asymptomatische Population auf eine Erkrankung zu screenen, die lediglich einmal unter 5 Millionen vorkommt.

Die Erkrankung muss entsprechend schwerwiegend und gefährlich sein, so dass es wirklich von Vorteil für die Patienten ist, wenn man sie rechtzeitig entdeckt. Es hat keinen Sinn die Menschen breit auf Schnupfen zu screenen.

Die Erkrankung sollte ein bestimmtes asymptomatisches Frühstadium aufweisen, in dem sie zwar mit geeigneten Methoden richtig diagnostiziert werden kann, in dem der Patient sich aber im Alltag asymptomatisch fühlt und daher nicht den Verdacht hegt, dass er krank sein könnte. Wenn Menschen bereits Symptome haben, suchen die meisten ja sowieso einen Arzt auf, hier ist ein Screening nicht mehr notwendig.

Ein Screening ist nur dann sinnvoll, wenn es einen deutlichen Unterschied im Therapieverlauf gibt, dahingehend, ob ich die Krankheit in einem frühen oder in einem späten Stadium erwische. Anders gesagt: das Screening macht dann Sinn, wenn ich für die Patienten sehr viel wirksamere und/oder sehr viel schonendere Therapien anbieten kann, wenn ich die Erkrankung in einem frühen Stadium finde und sie dadurch eine bessere Prognose haben.

Die Erkrankung sollte generell therapierbar sein. Das bedeutet, es macht wenig Sinn auf Krankheiten zu screenen, die zwar gefährlich sind, aber bei denen man den Patienten, auch dann wenn man sie früher findet, leider keine geeignete Therapie anbieten kann. In diesem Fall ist es sogar eher ein Nachteil: man sieht sich gezwungen, einem Menschen, der sich eigentlich gesund fühlt, früher eine schicksalshafte Tatsache mitzuteilen und ihm zu sagen, dass man ihm aber auch leider nicht helfen kann

Es muss eine Untersuchungsmethode vorhanden sein, mit der auf die entsprechende Erkrankung gescreent werden kann. Diese Methode muss für den Patienten einigermaßen zumutbar sein (d.h. nicht allzu schmerzhaft oder zu invasiv) und in einem vernünftigen Preisrahmen liegen, damit das Gesundheitssystem die finanzielle Belastung (ein Screening wird ja an sehr großen Populationen durchgeführt) auch tragen kann.

Welche Erkrankungen sind für ein Screening geeignet?

Es gibt das Brust Krebs Screening, das aus einer Mammographie und einer Ultraschalluntersuchung alle zwei Jahre für alle Patientinnen zwischen 45 und 70 Jahren besteht.

Es gibt ein Darmkrebs Screening: hier wird ab dem 50. Lebensjahr bei Frauen und ab dem 45. Lebensjahr bei Männern eine Coloskopie empfohlen und diese sollte dann je nach Befund alle fünf oder alle zehn Jahre wiederholt werden. Dabei können Polypen, also Vorstufen von Darmkrebs gefunden und entfernt werden.

Es gibt ein Screening auf Hautkrebs. Einmal jährlich werden beim Hautarzt verdächtige Muttermale untersucht. Der Hautarzt kann dabei mittels so genannter Auflichtmikroskopie die Muttermale fotografieren und dann etwaige Veränderungen rechtzeitig erkennen.

Es gibt ein Screening auf Prostatakrebs. Dieses sollten Männer ab dem 45. Lebensjahr durchführen lassen. Dabei wird eine Tastuntersuchung der Prostata durchgeführt und ein bestimmter Blutwert (PSA) abgenommen.

Es gibt ein Screening für Gebärmutterhalskrebs. Das ist der so genannte PAP- Abstrich, bei dem der Frauenarzt im Rahmen einer gynäkologischen Untersuchung einen Abstrich aus dem Gebärmutterhals entnimmt und ihn auf verdächtige Zellen untersucht. Dieses Screening ist ein sehr schönes Beispiel für die Sinnhaftigkeit und Wirksamkeit von Screening Untersuchungen. Früher war Gebärmutterhalskrebs eine der häufigsten Krebsarten bei Frauen und leider auch eine häufige Todesursache, da er viel zu spät erkannt wurde. Infolge des breit eingeführten Screenings auf diese Krebsart sind die fortgeschrittenen Stadien sehr selten geworden. Die Erkrankung wird mittlerweile in einem sehr viel früheren Stadium erkannt, in dem sie leicht behandelbar ist. Infolgedessen verlieren wir mittlerweile sehr viel weniger Patientinnen an diese schreckliche Krankheit.

Ein Beispiel für eine Screening Untersuchung, bei der es nicht um Krebs geht, ist das so genannte Neugeborenen Screening. Hier wird Babies in den ersten Lebenstagen ein Tropfen Blut aus der Ferse entnommen und es wird geschaut, ob bestimmte vererbbare Stoffwechselerkrankungen vorliegen, um gegebenenfalls den Kindern sofort die optimale Therapie angedeihen zu lassen.

Insgesamt kann man mittlerweile sagen, dass durch Screeninguntersuchungen sehr viele Menschenleben gerettet worden sind und sehr viele Patienten mit viel schonenderen und sanfteren Therapien behandelt und geheilt werden konnten, als es nötig gewesen wäre, hätte man die Erkrankungen ohne Screening in einem späteren Stadium gefunden und es bleibt zu hoffen, dass mit weiteren Fortschritten, die die moderne Medizin macht auch Screenings für weitere gefährliche Krankheiten einer breiten Masse an Patienten angeboten werden können.

verfasst von:

Dr. Vjara Ilieva, Fachärztin für Radiologie

Nach dem Medizinstudium an der Universität Wien hat Frau Dr. Ilieva die Ausbildung zur Ärztin für Allgemeinmedizin und später auch zur Fachärztin für Radiologie abgeschlossen.

Nach nun mehr insgesamt 12 Jahren Tätigkeit im Krankenhaus Hietzing und im Wilhelminenspital in Wien hat Frau Dr. Ilieva seit kurzem zusätzlich ihre eigene Wahlarztordination in Baden bei Wien sowie in Wien eröffnet. 

Fotoquellen: Adobe Stock, https://stock.adobe.com; https://elements.envato.com

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