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Tinnitus – Wenn der Dauerton im Ohr zur Qual wird

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Foto: weyo / © stock.adobe.com

Sicher kennen Sie dieses lästige Pfeifen oder Rauschen im Ohr. Der Mediziner spricht hier von Tinnitus. Leiden auch Sie an diesen Geräuschen, sind Sie nicht allein. Mit einer entsprechenden Therapie ist es jedoch möglich, die störenden Geräusche im Ohr zu verbannen oder zumindest eine Linderung herbeizuführen.

Was ist Tinnitus?

Die exakte medizinische Bezeichnung “Tinnitus aurium” kommt aus dem Lateinischen und bedeutet “Klingeln der Ohren”. Umgangssprachlich sind die Begriffe Tinnitus und Ohrensausen gebräuchlich. Es handelt sich hierbei um eine Störung der Hörfunktion. Beim Tinnitus werden Geräusche wahrgenommen, ohne dass eine äußere Schallquelle als Ursache ausgemacht werden kann. Diese Geräusche können in unterschiedlichster Form auftreten. Das betrifft sowohl die Art als auch die Intensität der Geräusche.

Nach Eberhard Biesinger, einem deutschen Tinnitus-Spezialisten, werden die Erscheinungsformen des Tinnitus in vier Schweregrade eingeteilt:

  • Grad 1: Trotz auftretender Ohrgeräusche keine Belastung oder Leidensdruck.
  • Grad 2: Der Tinnitus zeigt keine negativen Auswirkungen bei der Bewältigung des Alltags, bei Stress und in bestimmten Situationen werden die Geräusche jedoch als Belastung empfunden.
  • Grad 3: Einschränkungen in der Lebensqualität und im Berufsleben, es treten körperliche und emotionale Störungen auf
  • Grad 4: Hier sind die Patienten in allen Lebenslagen, privat wie beruflich, stark eingeschränkt. Es kommt zur Arbeitsunfähigkeit, Depressionen und zu Suizidgefahr.

In Abhängigkeit von der Herkunft der Ohrgeräusche unterscheidet die Medizin zwischen objektivem und subjektivem Tinnitus.
Beim objektiven Tinnitus entstehen die Geräusche im Ohr, es existiert also eine messbare Schallquelle. Mit geeigneten Techniken können auch andere Personen diese Geräusche hören. Als häufigste Ursachen kommen Strömungsgeräusche im Innenohr, Muskelzuckungen aber auch Herzklappenerkrankungen in Betracht.
Sehr viel häufiger anzutreffen ist der subjektive Tinnitus. Er wird nur vom Betroffenen wahrgenommen, andere Menschen können ihn nicht hören. Das Spektrum der möglichen Ursachen ist hier viel breiter.

Symptome und Diagnose bei Tinnitus

Foto: motortion / © stock.adobe.com

Bei jedem Menschen sind die Symptome unterschiedlich ausgeprägt. Das betrifft in der Hauptsache die Intensität, aber auch die Art der wahrgenommenen Eindrücke. Die Bandbreite ist recht groß. Meist wird das Geräusch als PfeifenZischen oder Brummen beschrieben, aber auch von Klopfen und Knackgeräuschen wird berichtet

Wird ein Tinnitus durch äußere Ereignisse ausgelöst, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Symptome bereits nach einigen Tagen von selbst wieder verschwinden. Halten diese länger an (über drei Monate) spricht man von einem chronischen Tinnitus. Es ist auch möglich, dass sich aus einem akuten ein chronischer Tinnitus herausbildet. Bei andauernden Problemen sollte unbedingt ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufgesucht werden.

Der Arzt wird zunächst versuchen, über die Anamnese des Patienten die Ursache zu ermitteln. Zur genaueren Diagnose stehen dem HNO-Arzt eine ganze Palette moderner Verfahren zur Verfügung (Auszug):

  • Hörtest: Schwerhörigkeit kann Tinnitus hervorrufen oder ihn begleiten.
  • Gleichgewichtsprüfung: Das im Innenohr befindliche Gleichgewichtsorgan wird untersucht, eine Störung in diesem Bereich deutet auf den Sitz des Tinnitus hin
  • Ohrmikroskopie: Hier werden die Gehörgänge, das Innenohr und das Trommelfell auf Verletzungen oder das Vorhandensein eines Schmalzpfropfens untersucht
  • Nasen- und Rachenraumspiegelung: Diese Untersuchung bezieht sich auf krankhafte Veränderungen in der Umgebung des Ohres
  • Hirnstammaudiometrie: Überprüfung der Funktion des Hörnervs

Ursachen und Risikofaktoren

Die genaue Ursache bei subjektiv empfundenem Tinnitus ist noch nicht vollständig geklärt. Es ist aber bekannt, dass eine fehlerhafte Informationsverarbeitung im Hörzentrum dafür verantwortlich ist.

Mögliche Ursachen:

Neben den Ursachen, die direkt auf krankhafte Veränderungen im HNO-Bereich zurückzuführen sind, kann sich Tinnitus als Folge- und Begleiterscheinung verschiedener Krankheiten manifestieren. Das können Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen und Arterienverkalkung sein. Funktionsstörungen der Halswirbelsäule und Zahn- bzw. Kieferprobleme kommen ebenfalls als Auslöser in Betracht. Eine wichtige Rolle scheint starker Stress zu spielen sowie Erkrankungen des Nervensystems und Alkoholmissbrauch.

Therapiemöglichkeiten bei Tinnitus

Beim objektiven Tinnitus wird sich der Fokus der Behandlung auf die Behandlung der auslösenden Ursache richten. Eine Infusionstherapie fördert die Durchblutung und die Versorgung mit Sauerstoff und wird mit gutem Erfolg angewendet. Bei entzündlichen Prozessen kommt Kortison zum Einsatz.

Bei der subjektiven Form des Tinnitus richtet sich die Behandlung vorwiegend auf die Beseitigung oder Linderung der Symptome:

  • Auch hier ist eine Infusion mit durchblutungsfördernden Medikamenten angezeigt
  • Entspannungstechniken (autogenes Training) helfen Stress abzubauen
  • Tinnitusmasker sind Hörsysteme, die Töne in einem bestimmten Frequenzbereich erzeugen, um das Ohrensausen zu unterdrücken bzw. von ihm abzulenken

Die Tinnitus-Retraining-Therapie ist sehr komplex. Der Patient erlernt, wie er die Geräusche aus seiner Wahrnehmung herausfiltern kann. Wichtig ist die Zusammenarbeit von HNO-Arzt, Hörgeräte-Akustiker und einem Psychologen^.

Was kann ich selber tun?

Versuchen Sie, sich mit den Geräuschen zu arrangieren. Stressabbau und Entspannungsübungen tragen ebenfalls zu einer Verringerung der Wahrnehmung bei. Es hört sich einfach an, aber eine gewisse Gelassenheit hilft, dass der Tinnitus in den Hintergrund tritt. Bei völliger Stille machen sich die Störgeräusche besonders stark bemerkbar. Leise Hintergrundgeräusche sind deshalb sehr wirkungsvoll, auch beim Einschlafen.
Da der Tinnitus in vielerlei Gestalt auftritt und jeder Mensch auf Therapien anders reagiert, ist es hilfreich, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Hier bietet sich die Kontaktaufnahme mit einer Selbsthilfegruppe an.

Fotoquellen: Adobe Stock, https://stock.adobe.com; https://elements.envato.com

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