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Was Sie schon immer über Cortison wissen wollten

Inhaltsverzeichnis
Foto: felipecaparros / © stock.adobe.com

Reagieren auch Sie skeptisch bis abwehrend, sobald bei Therapiemaßnahmen der Begriff “Cortison” fällt? Warum nutzen viele Ärzte so gerne Cortison? Woher rührt die Negativhaltung auf der anderen Seite? Erfahren Sie, was Cortison ist, wann und wie es segensreich helfen kann. Und natürlich auch worauf bei der sicheren Anwendung zu achten ist.

Was ist Cortison?

Die Bezeichnung Cortison als Medikamentenwirkstoff ist eigentlich nicht korrekt. Cortison selbst ist schließlich ein komplett natürliches, sogar eines unserer lebenswichtigsten körpereigenen Hormone und stammt als Steroidhormon aus der Nebennierenrinde. Genaugenommen geht es aus dem Sexual- und Steroidhormon Progesteron hervor. Als Cortison ist es allerdings nicht wirksam, es muss erst zu Cortisol aktiviert werden, einem Glucocorticoid. In dieser Aktiv-Form spielt es eine zentrale Rolle im Glucose-Stoffwechsel, dem Zuckerhaushalt, daher auch das Namensanhängsel “Gluco”. Die Nebennierenrinde liefert außerdem noch weitere Glucocorticoide

Die Wirkstoffe in Cortison-Arzneimitteln sind synthetische Glucocorticoide, entweder den natürlichen Hormonen nachempfunden oder identisch hergestelltes Cortisol (dann als Hydrocortison bezeichnet). In der Beipackzettelliste findet sich daher kein Cortison, sondern meist künstliche Cortisol-Verwandte wie Dexamethason, Triamcinolon, Mometason, Prednisolon oder Prednison und andere ähnlich klingende Stoffe. Nur der Einfachheit halber sprechen wir verallgemeinernd von Cortison.

Was bewirkt Cortison?

Es kurbelt für die Energiegewinnung den Abbau von Fettdepots an, worauf Sie sicher nicht verzichten möchten. Gerade unter Belastung (Stress) stellt Cortison sehr schnell Reserven bereit und hebt den Blutzuckerspiegel an, ein mächtiges Hormon. Wie Adrenalin zählt es zu den Stresshormonen. Obendrein spielt Cortison mit im Wasser- und Mineralhaushalt, bei der Körperfettverteilung, im Herz-Kreislaufsystem, im Immunsystem, am Auge sowie im zentralen Nervensystem samt Nerven.

Den therapeutisch so hohen Wert hat Cortison durch seinen unerreicht starken Einfluss auf Entzündungen. Das Knochenmark bildet als Teil der Immunantwort Entzündungszellen. Dort reifen sie für ihre spezielle Funktion und werden dann in den Blutkreislauf entlassen, um ihr Zielorgan zu erreichen. Cortison drosselt diese Vorgänge, und zwar immens schnell. Mit dem Ergebnis, dass Symptome wie Schwellungen, Rötungen, Juckreiz und Schmerzen rasch abklingen, dass überschießende Abwehrreaktionen in Schranken verwiesen werden.

Wann schlägt die Cortisonwirkung ins Negative?

Solch ein potenter Stoff hat auch entsprechende Schlagschatten. Cortison geht ab einem gewissen Blutspiegel, entscheidender noch: über eine bestimmte Zeit (etwa ab 3 Wochen) auf die Substanz. An Eiweiße in Muskeln und Haut, ans Kalzium der Knochen. Papierhaut, Muskelschwund und Osteoporose drohen. Weiterhin Bluthochdruck und Diabetes, mehr Fett an Bauch, Nacken und Gesicht, bleibende Augenschäden (Grüner und Grauer Star), Infektanfälligkeit und mehr. Der Körper hat nicht zuletzt deshalb eine strikte Grenzwert-Regulierung gegen zu hohe, weil überwiegend abbauende Cortisonspiegel. Diese Schwelle entspricht in etwa derjenigen, ab der das sogenannte Cushing-Syndrom auftritt: einer Kombination aus mehreren der eben aufgeführten Erscheinungen. Aus all diesen Nebenwirkungen und häufig unbedachter Anwendung vor rund 50 Jahren erklärt sich, dass viele Menschen beim Wort Cortisonbehandlung spontan abblocken.

Heute hat die Medizin viel Erfahrung mit Cortison vorzuweisen und setzt es behutsam, in geeigneter Darreichung und nur für streng begrenzte Dauer ein. Denn es ist noch immer unser bestes Medikament gegen Entzündungen. Im Vergleich zur injizierten oder eingenommenen (systemisch) Anwendung, halten sich die unerwünschten Effekte bei lokalem Einsatz (topisch) in minimalen Grenzen. Bei Salben, Cremes, Zäpfchen, Augentropfen oder Inhalationssprays beispielsweise. Wichtig auch: Zugeführtes Cortisol macht die Nebennierenrinde träge, sie produziert weniger. Damit der Hormonspiegel zum Ende der Therapie nicht aus dem Gleichgewicht gerät, gilt es deshalb die Cortison-Dosierung mit Geduld schrittweise zu senken.

Wo findet Cortison Anwendung?

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Die Indikationsliste ist tatsächlich außergewöhnlich lang. Entscheidend ist, die richtige Dosis, Darreichung, Dauer und den passenden Wirkstoff zu wählen. Denn die synthetischen Glucocorticoide unterscheiden sich erheblich in ihren Eigenschaften, selbst wenn die Grundwirkung übereinstimmt. Der Arzt entscheidet also keineswegs beliebig, sondern mit Bedacht. Grundsätzlich kann Cortison bei starken allergischen Immunreaktionen und praktisch allen entzündlichen Erkrankungen nicht nur seine Berechtigung haben. In vielen Fällen ist es ein Segen. Insbesondere gegen chronische Entzündungen, deren Ursache nicht zu beheben ist, Autoimmunkrankheiten, aber auch akuten Traumata. Eine Auswahl:

Weniger bekannt oder neu beschrieben ist eine oftmals hilfreiche Wirkung bei:

Abwägung von Nutzen und Risiken bei der Cortison-Anwendung

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Unter sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken ist Cortison also ein sehr mächtiges Mittel und erleichtert schnell quälende Beschwerden. Cortison selbst ist lebensnotwendig und als Cortisol im Körper überall aktiv. Glucocorticoid-Medikamente greifen in die natürlichen Cortisol-Aufgaben ein. Ihre Dosis muss in engen Grenzen bleiben und darf nur für kurze Zeit einwirken, so reguliert auch unser Organismus. Wegen der Gratwanderung zwischen hilfreicher und schädigender Effekte ist die Mitarbeit von Patienten ganz besonders gefragt. Nehmen Sie verordnetes Cortison deshalb konsequent nach Arztanweisung ein.

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