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Botox der kleine Helfer mit großer Wirkung

Inhaltsverzeichnis

Botox der kleine Helfer mit großer Wirkung – Mythen und Wahrheiten rund um den Liebling der Beautyärzte

Botox ist in aller Munde. Fast jeder hat schon mal davon gehört. Nicht selten wird bei Berühmtheiten und Stars, sowohl Männern wie Frauen, im Fernsehen darüber spekuliert, ob sie mit Botox etwas nachhelfen. Bei manch einem Promi ist die (schlecht) durchgeführte Behandlung leider nicht zu übersehen und das übertrieben eingefrorene Gesicht sorgt für Häme und Spott.

Genau das ist auch das Hauptproblem mit dieser Substanz: Schlecht gemachtes Botox kann jeder Laie erkennen. Ein seltsam eingefrorenes Gesicht oder eine unnatürliche Mimik verraten den Patienten sofort.

Gut gemachtes Botox hingegen ist häufig das bestgehütete Geheimnis so mancher Promidame. Und nicht selten behauptet diese, ihr jugendliches Aussehen lediglich durch Trinken von ausreichend Wasser, exzellenten Schlafgewohnheiten und den guten Genen ihre Mutter zu erreichen. Oder aber sie erzählt in Anzeigen von Frauenzeitschriften und Hochglanzmagazinen, dass sie deswegen so jung aussieht, weil Sie diese oder jene Pflegelinie regelmäßig benutzt, wobei die entsprechende Kosmetikfirma sich solche Aussagen gerne einiges kosten lässt.

Die Wahrheit hingegen ist, dass natürlich der Beautydoc des Vertrauens mit ein paar gut platzierten Botox Stichen der Zeit ein Schnippchen schlägt.

Es gibt es immer noch viele Mythen, Unklarheiten und Missverständnisse rund um die Substanz Botox mit denen ich heute hier ein wenig aufräumen möchte.

Was ist Botox überhaupt genau – ein Ausflug in die Geschichte der Medizin?

Botox ist ein Nervengift, welches durch das Bakterium Clostridium botulinum produziert wird. Es ist eine der stärksten giftigen Substanzen, die wir kennen.

Entdeckt wurde die Substanz ursprünglich, weil früher Menschen beim Verzehr schlecht konservierter Wurstwaren, in denen sich das Bakterium ungehindert und unbemerkt vermehren konnte, die häufig tödlich endende Lebensmittelvergiftung Botulismus entwickelten.

Wissenschaftlich zum ersten Mal beschrieben wurde diese Erkrankung bereits im Jahr 1815. Nur wenig später, im Jahr 1822 konnte der deutsche Arzt Justinus Kerner auch tatsächlich das Toxin als Ursache des gefürchteten Krankheitsbilds ausmachen.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gelang es, die Substanz erstmals in größeren Mengen zu isolieren und den genauen Wirkungsmechanismus zu klären.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert begannen auch bereits die ersten medizinischen Anwendungen. Zunächst wurde Botox allerdings hauptsächlich gegen Schielen und Spastik der Gesichtsmuskulatur, der Augenlider oder des Halses verwendet. Dabei wurde zufällig, sozusagen als Nebenwirkung, entdeckt, dass die Substanz einen durchaus erwünschten glättenden Effekt auf Gesichtsfalten hat.

Nun begann der Siegeszug des Botox in der kosmetischen Industrie. Ab den 1990er Jahren wurde das Medikament zunehmend in der Schönheitsmedizin angewendet und ist seitdem aus dem Repertoire der Beauty Ärzte nicht mehr weg zu denken.

Wie funktioniert Botox? – Ein bisschen Chemie

Die Wirkung von Botox beruht darauf, dass die Substanz in der Lage ist, die Erregungsüberleitung von Nerven auf den Muskel zu hemmen. Normalerweise gibt Das Gehirn ein Signal über eine Nervenfaser an den Muskel weiter. Infolgedessen kontrahiert sich der Muskel. So funktioniert jede willkürliche Bewegung, sowohl bei unseren Armen und Beinen als auch bei unseren Gesichtsmuskeln. Wenn nun Botox in den entsprechenden Muskel gespritzt wird, so kommt zwar das Signal vom Gehirn über den Nerven an, es kann aber nicht mehr auf den Muskel übertragen werden. Der Grund dafür ist, dass Botox die Freisetzung des so genannten Acetylcholins an den Nervenenden bremst. Das Acethylcholin ist aber das Signalmolekül, mit dem die Information zwischen Nerven und Muskel übertragen wird. Vereinfacht gesagt kann man es so formulieren: Das Gehirn sagt dem Muskel zwar „Zieh dich zusammen!“ aber der Muskel ignoriert diesen Befehl. Wenn nun zum Beispiel Botox genau in den Muskel hineingespritzt wird, der die Zornesfalte verursacht, kann man nicht mehr böse schauen.

Für welche Falten ist Botox geeignet?

Wenn man den Wirkmechanismus verstanden hat, versteht man auch, dass nicht alle Falten mit Botox behandelt werden können. Lediglich so genannte mimische Falten sind eine Behandlung mit Botulinumtoxin zugänglich. Dazu gehören beispielsweise die Zornesfalte, die horizontalen Stirnfalten oder die so genannten „Krähenfüße“, das sind die kleinen Fältchen rund um die Augen, die beim Lachen entstehen, oder wenn man die Augen zusammenkneift. Weitere, etwas weniger bekannte Möglichkeiten einer Behandlung mit Botox sind das so genannte „Pflastersteinkinn“ also das gedellte Anspannen der Kinnmuskulatur, oder die Bunny Lines, die „Hexenfalten“, seitlich der Nase.

Was sollte oder kann NICHT mit Botox behandelt werden?

Nicht geeignet ist Botox für alle Falten, die nicht durch Mimik sondern hauptsächlich infolge von Volumenverlust und Schwerkraft entstanden sind. Dazu gehören beispielsweise die so genannten Nasolabialfalten, also die Falten, die vom Nasenflügel zum Mundwinkel ziehen. Diese Falten lassen sich mit Botox nicht verbessern. Sie sind vielmehr ein Anwendungsbereich für Hyaluronsäure. Was Botox ebenfalls NICHT kann, ist, bestimmte Gesichtspartien, zum Beispiel die Lippen oder die Wangenknochen hervorheben oder größer machen – auch hier kommen statt Botox Hyaluronsäure Filler zum Einsatz.

Ist Botox gefährlich? – Die Dosis macht das Gift

Diese Frage kann man nicht mit Ja oder Nein beantworten. An sich ist Botox eine der am besten untersuchten Substanzen. Über wenige Medikamente gibt es so viele Studien und Untersuchungen. Es wird seit insgesamt 40 Jahren in der Medizin generell und seit 30 Jahren in der ästhetischen Medizin angewendet. Insbesondere im Bereich der neurologischen Anwendungen (der Behandlung von Gesichtskrämpfen, Krämpfen der Augenlider oder der Halsmuskulatur), werden sehr sehr viel höhere Dosierungen angewendet als in der kosmetischen Medizin, ohne dass die Patienten in Gefahr sind. Andererseits ist Botox in ungeübten Händen natürlich eines der stärksten Gifte, die wir kennen mit entsprechenden Gefahrenpotential. Wenn ein schlecht ausgebildeter Behandler es spritzt, kann es natürlich zu unerwünschten Lähmungen kommen. Aus diesem Grund ist es ganz besonders wichtig, dass Sie Ihre Botox Behandlung nur bei einem erfahrenen und gut ausgebildeten Arzt durchführen lassen, der weiß, war er tut. Keinesfalls sollten Sie auf Billigangebote im Internet oder im Bekanntenkreis („Die Freundin einer Freundin will in ihrer Wohnung eine kleine Botox Party veranstalten, komm doch auch…“) eingehen. Sie wissen weder, wer spritzt, noch was er Ihnen spritzt. Die in Österreich zugelassenen Botulinumtoxin Präparate werden nur an Ärzte vertrieben – wenn ein Nichtmediziner Botox anbietet, sollten Sie sich dringend fragen, woher die Substanz stammt und wer für die Qualität und Reinheit bürgt. Botox ist wärmeempfindlich und zerfällt bei unsachgemäßer Lagerung oder nicht korrekter Auflösung in der Flasche.

Im besten Fall kann es dabei einfach nur zu einem unschönen Ergebnis mit unnatürlichem Gesichtsausdruck kommen, im schlimmsten Fall aber kann das Ergebnis ein für mehrere Monate runter hängendes Augenlid sein. Und ehrlich, niemand möchte wegen ein paar Falten riskieren, auszusehen, als ob er einen Schlaganfall gehabt hätte, oder?

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Wie läuft die Behandlung mit Botox gegen Falten ab.

In meiner Ordination mache ich bei neuen Patienten immer ein ausführliches Beratungsgespräch. Dabei werden zuerst die individuellen Wünsche und Vorstellungen besprochen. Darüber hinaus beobachte ich meine Patienten gerne ganz genau, während sie mit mir sprechen und achte darauf wo bei entsprechender Mimik besonders starke Falten entstehen. Das ist höchst individuell. Manche Menschen machen so gut wie keine Zornesfalte, andere hingegen spannen diese Gesichtsmuskeln an, selbst wenn sie gar nicht wütend sind, einfach weil sie sich konzentrieren oder etwas Kleingedrucktes lesen. All das sollte ein erfahrener Behandler wahrnehmen, wenn er eine entsprechende Behandlung plant. Dem Patienten wird dann genau die Wirkungsweise der Substanz, Risiken und Nebenwirkungen erklärt. Anschließend werden Fotos zu Dokumentationszwecken angefertigt.

Die Behandlung selbst dauert nur sehr kurz. Nach gründlicher Reinigung und Desinfektion der Haut wird eine vom Behandler definierte Menge an Botoxeinheiten in genau festgelegte Punkte gespritzt. Wichtig dabei ist es, genau jene Muskelgruppen zu treffen, die für die unerwünschte Faltenbildung verantwortlich sind, während die restliche Mimik nach  Möglichkeit unangetastet bleiben sollte.

Anschließend erfolgt eine kurze Kühlung der betroffenen Hautregionen, und schon sind Sie fertig.

Ist man nach der Behandlung mit Botox sofort gesellschaftsfähig?

Selten kommt es zu kleinen Blutergüssen, die jedoch gut abgedeckt werden können. Auch minimale Rötungen oder geringfügige Schwellungen für ein paar Stunden können gelegentlich vorkommen. Mit etwas Make-up lassen sich diese jedoch ohne Probleme kaschieren. In der Regel ist es kein Problem, direkt nach der Behandlung mit Botox zum Beispiel ins Büro zu gehen oder andere Menschen zu treffen.

Was ist nach der Behandlung zu beachten?

Wenn Sie schwanger sind oder stillen, sollten Sie keine Botox Behandlung durchführen lassen. Auch bei bestimmten neurologischen Erkrankungen oder der Einnahme bestimmter Medikamente ist von eine Behandlung mit Botulinumtoxin Abstand zu nehmen. Ihr Arzt wird Sie im Gespräch genauer darüber informieren.

Was kann man bei der Botox Behandlung falsch machen?

Wenn Botox nicht durch einen erfahrenen Behandler gespritzt wird, kann es durchaus zu unerwünschten Ergebnissen führen.

Es kann zum Beispiel die gesamte Mimik zu stark gehemmt werden. Patienten, die so behandelt wurden, fallen dann durch seltsam starre, unnatürlich wirkende Gesichter auf. Diese Menschen lächeln zwar mit den Mundwinkeln, aber die Augen bleiben seltsam ausdruckslos – klarer Fall von zu viel Botox.  Andere Anzeichen von „schlecht gemachtem Botox“ sind die sogenannten Spock Augenbrauen oder auch Mephisto Augenbrauen. Dabei gehen die äußeren Enden der Augenbrauen zu stark nach oben, während die inneren Augenbrauen unten bleiben.

Noch viel schlimmer ist es, wenn die Augenbraue oder gar das Augenlid hängt und gar nicht mehr gehoben werden kann.

Aus diesen Gründen sollten Sie Botox daher immer nur von erfahrenen Ärzten spritzen lassen.

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Fazit – Botox in erfahrenen Händen ist eine wunderbare Geheimwaffe

Zusammenfassend lässt sich sagen, in geübten Händen ist Botox eine wunderbare Substanz um nahezu unsichtbar, einen müden Gesichtsausdruck weg zu zaubern und für einen frischen Look zu sorgen, aber eben nur in geübten Händen. Achten Sie daher bei der Wahl Ihres behandelnden Arztes auf Qualifikation und Erfahrung. Ein guter Arzt nimmt sich ausreichen Zeit für ein Beratungsgespräch und erläutert mit Ihnen alle Vor- und Nachteile der Behandlung, Alternativmöglichkeiten, Risiken und Nebenwirkungen. Erst wenn alle Ihre Fragen beantworten sind, wird die Behandlung durchgeführt.

Dann kann man mit Botox wirklich wunderbare Ergebnisse erzielen. Ein müder oder abgekämpfter Gesichtsausdruck kann ausradiert werden und Sie sehen aus wie frisch aus dem Urlaub, strahlend und erholt.

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verfasst von:

Dr. Vjara Ilieva, Ärztin für Allgemeinmedizin und Fachärztin für Radiologie

Nach dem Medizinstudium an der Universität Wien hat Frau Dr. Ilieva die Ausbildung zur Ärztin für Allgemeinmedizin und später auch zur Fachärztin für Radiologie abgeschlossen.

Nach nun mehr insgesamt 12 Jahren Tätigkeit im Krankenhaus Hietzing und im Wilhelminenspital in Wien hat Frau Dr. Ilieva seit kurzem zusätzlich ihre eigene Wahlarztordination in Baden bei Wien sowie in Wien eröffnet. 

Fotoquellen: Adobe Stock, https://stock.adobe.com; https://elements.envato.com

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