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Gesundheitliche Aspekte von Übergewicht

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Das sind die Folgen von Übergewicht

Ärzte und Wissenschaftler sind sich einig: Übergewicht macht krank. Das gilt vor allem bei längerem Bestehen desselben. Entwickelt sich die Fettleibigkeit zu einer sogenannten morbiden Adipositas, hat das ernsthafte Risiken für die Gesundheit zur Folge. Begleiterkrankungen entstehen häufig schleichend, werden chronisch und können die Lebenserwartung der Patienten drastisch reduzieren. Mit welchen Einschränkungen Übergewichtige rechnen müssen, lesen Sie in diesem Artikel.

Leichtes Übergewicht muss noch nicht schädlich sein

Nicht jeder, der ein oder zwei Kilo zu viel auf die Waage bringt, muss mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen rechnen. Entscheidend für den Einfluss auf die Lebensqualität ist die Höhe und der Fortbestand des Übergewichts. Leicht übergewichtige Menschen leiden häufig unter vermehrtem Schwitzen, Gelenkschmerzen und Kurzatmigkeit bei körperlicher Anstrengung. Erfolgt danach eine weitere Gewichtszunahme und bleiben die überschüssigen Fettreserven über längere Zeit erhalten, sind gefährliche Erkrankungen und chronische Leiden die häufige Folge. Viele von ihnen entstehen über einen Zeitraum von Jahren bis Jahrzehnten hinweg und werden von den Betroffenen dadurch erst spät erkannt. Sie können den Alltag der Patienten erheblich einschränken und ihre Lebenserwartung deutlich verringern.

Übergewicht beginnt bei einem BMI von 25

Wann ein Mensch als übergewichtig gilt, lässt sich anhand des Body-Mass-Index, kurz BMI, feststellen. Bei diesem werden Körpergröße und Körpergewicht in ein Verhältnis gesetzt. Ab einem BMI von 25 sprechen Experten von Übergewicht. Ein Kritikpunkt an dieser Berechnung ist allerdings, dass Muskelmasse mehr wiegt als Fett. Sportler und Fitnessfans, die mehrmals pro Woche intensiv trainieren, können daher einen BMI von 25 erreichen, ohne tatsächlich übergewichtig zu sein. Von Fettleibigkeit oder Adipositas reden Ärzte und Wissenschaftler ab einem BMI von 30. Danach erfolgt eine Einteilung in mehrere Stufen. Die schwerste Art ist die morbide Adipositas, auch Adipositas permagna genannt. Diese extreme Form des Übergewichts entspricht Schweregrad 3, beginnt ab einem BMI von 40 und hat massive gesundheitliche Schäden zur Folge.

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Foto: Siam / © stock.adobe.com

Bluthochdruck als Folge von Übergewicht

Übersteigt der BMI einen Wert von 30, wirkt sich das auf Dauer auf das Herz-Kreislauf-System der Betroffenen aus. Das macht sich meist in Form eines zu hohen Blutdrucks bemerkbar. Der Normalwert liegt hier bei etwa 120 / 80 Millimeter-Quecksilbersäule. Messen Ärzte dagegen Werte von 140 / 90 und darüber, handelt es sich um eine sogenannte Hypertonie. Der erhöhte Blutdruck selbst stellt eine Belastung für das Herz dar. Er hat aber noch weitere negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Patienten. So kann er zu Gefäßverkalkung beitragen, die wiederum das Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte vergrößern. Außerdem erhöht er die Gefahr einer Herzmuskelschwäche, koronaren Herzkrankheit, verminderten Nierenfunktion und Netzhautschädigung. Generell gesehen sind Menschen mit Bluthochdruck weniger leistungsfähig, da ihr Herz bereits im Ruhezustand überdurchschnittlich viel arbeitet.

Diabetes-Typ-2 als Folge von Übergewicht

Das Hormon Insulin ist wesentlich für den Zuckerstoffwechsel des Körpers. Es schleust die vorhandene Glucose in die Zellen, welche daraus Energie gewinnen. Übergewicht reduziert die Wirksamkeit dieses wichtigen Botenstoffs. Adipöse Menschen entwickeln häufig eine sogenannte Insulinresistenz. Diese gilt wiederum als Vorläufer von Diabetes-Typ-2. Bei Insulinresistenz kann der Blutzuckerspiegel im Körper nicht mehr ausreichend gesenkt werden. Betroffene spüren nach dem Essen von kohlenhydratreicher Nahrung meist eine bleierne Müdigkeit. Entwickelt sich aus dieser Vorstufe ein Typ-2-Diabetes, muss Insulin künstlich zugeführt werden. Dies geschieht meist in Form einer Injektion in das Fettgewebe unter der Haut. Je größer das Übergewicht ist, desto mehr steigt die Wahrscheinlichkeit an Diabetes-Typ-2 zu erkranken. Menschen mit morbider Adipositas haben gegenüber Normalgewichtigen ein fünffach erhöhtes Risiko.

Arthrose und Arthritis als Folgen von Übergewicht

Typische Folgen einer länger bestehenden Adipositas sind Gelenkerkrankungen. Das hohe Gewicht belastet sowohl die Wirbelsäule als auch die Hüft-, Knie- und Fußgelenke. Damit erhöht sich die Gefahr eines oder mehrerer Bandscheibenvorfälle. Drücken die verrutschten Faserknorpel auf die Rückenmarksnerven, kann das sehr unangenehme Schmerzen hervorrufen. Im schlimmsten Fall muss dann operiert werden. Durch die starke Belastung der Gelenkknorpel kann es aber auch zu deren vorzeitigem Verschleiß kommen. Dann sprechen Ärzte von einer Arthrose. Da das Speichern von Fettzellen chronische Entzündungen verursachen kann, gilt auch Arthritis als häufige Folge von Adipositas. Die schmerzhafte Inflammation kann jedes Gelenk betreffen und die bereits herabgesetzte Wirkung des Insulins zusätzlich verringern.

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Vermännlichung und Verweiblichung als Folgen von Übergewicht

Durch Übergewicht ändert sich der Hormonhaushalt des Körpers. Die sogenannten Geschlechtshormone Testosteron und Östrogen werden bei Adipositas vermehrt produziert. Durch seine höhere Konzentration bewirkt das weibliche Sexualhormon ein verstärktes Wachstum der Brust. Das gilt aber nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer. Im Brustgewebe wird nämlich auch bei Letzteren vermehrt Fettgewebe eingelagert. Ist der Spiegel des männlichen Sexualhormons Testosteron bei übergewichtigen Frauen erhöht, führt das zu einer Vermännlichung. Dies betrifft auch den Haarwuchs. Überschreitet die Testosteronmenge die Durchschnittswerte, leiden Frauen an übermäßigem Haarwuchs an Armen und Beinen. Bei Männern verkümmern die Haarwurzeln dagegen bei zu viel männlichem Sexualhormon. Daher sind diese bei Übergewicht häufig von Haarverlust betroffen.

Fettleber als Folge von Übergewicht

Durch eine ungesunde Lebensweise und Überernährung kann der Körper eine Fettleber entwickeln. Bei dieser Erkrankung wird in das wichtige Entgiftungsorgan immer mehr Fett eingelagert. Zusätzlich können sich die Leberzellen entzünden und es kommt zu einer sogenannten Steatohepatitis. Durch die dauerhafte Inflammation sterben die Zellen des Organs nach und nach ab. In den Venen lagert sich Bindegewebe ab, was eine Minderdurchblutung der Leber zur Folge hat. Wird die Erkrankung nicht erkannt und behandelt, kann es zu einer Leberfibrose kommen, bei der eine krankhafte Vermehrung des Gewebes zu beobachten ist. Verhärtet und vernarbt die Leber im weiteren Verlauf, droht eine lebensbedrohliche Leberzirrhose. Auch wenn eine Fettleber zu Beginn nicht gefährlich ist, kann sie sich also zu einer ernsthaften Erkrankung entwickeln.

Übergewicht kann in einen Teufelskreis führen

Das Fettgewebe des Körpers produziert das Hormon Leptin. Dieser Botenstoff ist für die Hemmung des Appetits zuständig und sorgt bei einem normalgewichtigen Menschen dafür, dass sich dieser nach dem Essen satt fühlt. Dafür sendet es ein Signal an das Gehirn, das wiederum regulierend in den Fettstoffwechsel eingreift. Ist ein Mensch adipös, besitzt er größere Fettzellen. Diese stellen mehr Leptin her und geben dieses ins Blut ab. Sind die Werte des Hormons dauerhaft zu hoch, werden dessen Signale vom Gehirn nicht mehr wahrgenommen. Eine sogenannte Leptinresistenz ist entstanden. Das hat wiederum zur Folge, dass das System fälschlicher Weise glaubt, Energiereserven anlegen zu müssen. Aus diesem Grund leiden Übergewichtige unter einem ständigen Hungergefühl. Zusätzlich wirkt sich der Überschuss an Leptin negativ auf die Gehirnaktivität aus. Die geistige Leistungsfähigkeit nimmt ab und die Betroffenen werden schnell müde.

Übergewicht kann sich negativ auf das psychische Wohlbefinden auswirken

Starkes und länger bestehendes Übergewicht kann also massive Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit haben. Nicht zu vergessen sind aber auch die psychischen Folgen von Adipositas. Da sich viele Betroffene in einem Teufelskreis gefangen fühlen, steigt die Frustration. Aus Scham und Schuldgefühlen entwickeln nicht wenige Patienten schwerwiegende Depressionen. Sie verfallen in Antriebslosigkeit und ziehen sich immer weiter von ihren Mitmenschen zurück. Leiden Sie unter Übergewicht, ist es daher ratsam, sich professionelle Hilfe zu holen und nicht allein gegen die Krankheit anzukämpfen.

Fotoquellen: Adobe Stock, https://stock.adobe.com; https://elements.envato.com

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