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Wie funktioniert eine Impfung?

Inhaltsverzeichnis
Foto: weyo / © stock.adobe.com

Keine Angst vor der Nadel – so funktioniert eine Impfung

Impfungen und Immunität sind zwei dicht miteinander verwobene Begriffe. Denn einmal geimpft (und regelmäßig aufgefrischt) sind wir gegen viele Krankheiten immun, die sonst zu schweren Verläufen führen können.
Für Laien ist oft nicht ganz ersichtlich wie oder warum eine Impfung funktioniert. Deswegen erklärt Ihnen dieser Beitrag, was bei einer Impfung im Körper passiert, wie Immunität funktioniert und warum Sie sich nicht vor der Nadel fürchten müssen

Die Geschichte der Impfung – kurz erklärt

Während die Geschichte erster Impfungen in Asien vermutlich bereits mehrere tausend Jahre alt ist, ist die Immunisierung in Europa eine vergleichsweise junge Geschichte.

Im 18. Jahrhundert stellte ein englischer Arzt fest, dass eine Infizierung mit den Kuhpocken Menschen gegen die häufig tödlich verlaufende Pockenkrankheit immun machte.

Vom lateinischen Wort für Kuh (vacca) stammt auch heute noch der medizinische Begriff Vakzinierung für die Impfung.

Die Geschichte verdeutlicht bereits ganz gut, wie Impfstoffe auch heute noch wirken: Mit einer harmlosen Dosis an Viren infiziert, gelingt unserem Körper die Immunität. Dies ist theoretisch auch mit einer überstandenen Erkrankung möglich, diese ist jedoch viel gefährlicher. Wer beispielsweise im 19. Jahrhundert an den Pocken erkrankte, bekam die Pocken kein zweites Mal – aber jeder dritte Patient verstarb an der Krankheit.
Darum ist eine Impfung auch eine sehr gezielte Zufuhr von toten oder abgeschwächten Krankheitszellen, an denen unser Körper erst einmal üben kann. Dazu ist es wichtig, die Funktionsweise unseres Immunsystems zu verstehen.

Die natürlichen Schutzmechanismen des Körpers

Erreger, ob Bakterien oder Viren, lösen im Körper eine Immunantwort aus. Hierbei setzt der Körper Fresszellen frei, diese Immunzellen fressen die Krankheitserreger auf, indem sie sich an diese binden. Dabei passen Fresszellen nur auf ihre jeweiligen Krankheitserreger – ganz so wie ein Schlüssel nur in das passende Schloss passt. Der Körper bildet dabei auch Gedächtniszellen, anhand deren Struktur die passenden Fresszellen gebildet werden.
Infizieren Sie sich mit einem unbekannten Erreger, so hat der Körper nicht die richtigen Abwehrzellen parat und die Krankheit kann erst einmal frei walten. Erst nach einiger Zeit hat der Körper genug Fresszellen gebildet und die Krankheit kann überwunden werden.

Dank der Gedächtniszellen spielt es auch keine Rolle, wenn Sie sich nach mehreren Jahren noch einmal mit der gleichen Krankheit infizieren. Denn Ihr Körper kann dank des gespeicherten Virusprofils sehr schnell Fresszellen bilden und die Krankheit ausschalten, noch bevor es zu einem Ausbruch kommt.
Eine Aktivimpfung funktioniert dabei ähnlich wie eine natürlich verlaufende Infektion, ist aber für den Körper viel harmloser, da Sie mit einer abgeschwächten Version der Krankheit in Kontakt kommen

So funktioniert eine Aktivimpfung

Zunächst einmal gibt es unterschiedliche Aktivimpfungen, die alle unterschiedlich funktionieren. Bei einem Lebendimpfstoff (bspw. Masern, Mumps, Röteln) kommt Ihr Körper mit lebenden Erregern in Kontakt. Die Anzahl der lebenden Viren reicht jedoch nicht für eine Infektion, Ihr Immunsystem kann vorher reagieren und Fresszellen bilden.
Bei der Haemophilus Influenza, Polio oder Hepatitis B kommen sogar tote Erregerbestandteile zum Einsatz, bei Keuchhusten oder Polio sind es tote Erregerzellen. Daher wird diese Form der Impfung auch Totimpfung genannt. Tote Erreger sind in diesem Falle ausreichen für die Profilerstellung des Virus.
Andere gängige Impfungen gegen Diphterie oder Tetanus nutzen Toxide der Bakterien

Passivimpfungen – wenn es schnell gehen muss

Aktivimpfungen werden als Regelimpfungen eingesetzt und sind wichtige Bestandteile unserer Immunität. Durch sie kann der Körper aktiv Antikörper bilden und sich gegen Erreger zur Wehr setzen. Was aber, wenn es bereits zu einer Infektion kam?
In diesem Fall kommen Passivimpfungen zum Einsatz, bei denen Patient*innen fertige Immunglobuline (Antikörper) gespritzt werden. Diese funktionieren wie die körpereigenen Antikörper und schalten eine Infektion effizient aus.
Die Wirkung tritt bereits nach Tagen, in einigen Fällen sogar nach Stunden ein. Allerdings ist die Passivimpfung zweckgebunden, da die gespritzten Antikörper im Blut abgebaut werden.

Der Impfstoff – unsere Bauanleitung gegen Krankheiten

Würden Sie sich Ihren Krankheitsverlauf unter dem Mikroskop betrachten, so würde dieser immer ähnlich funktionieren, auch wenn die Symptome und Verläufe von Krankheiten sich so stark unterschiedlich äußern.
Viren und Bakterien dringen in Ihren Körper ein und stiften dort zunächst ungestört Unheil. T-Helferzellen erkennen die Krankheitserreger und aktivieren B-Lymphzellen. Die B-Lymphzellen sind es auch, die auf einen spezifischen Erreger passen und genau diesen anhand der Antigene binden können. Unter der Mithilfe von Fresszellen werden Erreger umschlossen und ausgeschieden.
Sind die passenden B-Lymphzellen bereits vorhanden, können Erreger noch vor Ausbruch einer Krankheit gebunden, attackiert und vernichtet werden. Genau hier kommt eine Impfung zum Einsatz. Mithilfe von abgeschwächten Versionen einer Krankheit werden B-Lymphzellen gebildet, die zu einem gefährlichen Virus passen. Trifft unser Körper dann auf den echten Virus, so stehen die passenden Antikörper bereit und die Infektion wird schnell terminiert.
Im besonderen Falle von Viren wie dem neuartigen Coronavirus musste zunächst ein passender Impfstoff entwickelt werden, der auf dem RNA-Verfahren basiert.
Im Falle einer solchen Pandemie offenbart sich ein weiterer positiver Effekt von Impfungen: die Herdenimmunität. Je mehr Menschen durch eine Impfung immunisiert worden sind, desto schwieriger fällt es einem Virus, sich ungehindert auszubreiten.
Damit sind und bleiben Impfungen unser wirksamster Schutz gegen Krankheiten

Fotoquellen: Adobe Stock, https://stock.adobe.com; https://elements.envato.com

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