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Long COVID

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Long COVID

Wer sich mit dem Coronavirus infiziert und leicht erkrankt, kann von Glück sprechen. Allerdings stellen sich viele Betroffene die bange Frage: Was kommt nach meiner Erkrankung? Schließlich zeigen die Daten nach über einem Jahr Pandemie, dass viele Patienten noch neun Monate später unter den Folgen von Long Covid leiden. Welche Symptome mit dem unerwünschten Phänomen einhergehen und ob eine Impfung vor diesem schützen kann, beschreibt dieser Artikel.

Was ist Long Covid & welchen Unterschied gibt es zu Post Covid?

Bei Long Covid spricht man von nachgewiesenen Spätfolgen einer vorangegangenen COVID-19 Erkrankung. Wie viele Menschen das betrifft ist aber bis heute unklar. Um der Ursache und den Auswirkungen auf den Grund zu gehen, befassen sich momentan etliche Studien mit der Thematik, um ein Ziel zu erreichen – mögliche Langzeitfolgen von Long Covid zu verhindern oder zu minimieren.

In den Medien werden synonym auch häufig die Begriffe “Post-COVID” oder “Post-COVID-Syndrom” (zu dt. Nach-Coronavirus-Krankheit) verwendet. Hierbei handelt es sich tatsächlich um Synonyme, da alle genannten Bezeichnungen die gesundheitlichen Beschwerden nach einer Coronavirus-Erkrankung beschreiben und nicht etwa eine besonders lang anhaltende Form dieser. 

Patienten mit milden COVID-19-Verläufen sind häufig von Long Covid betroffen

In Zeiten von Corona gehört es für viele zu den schlimmsten Vorstellungen, an COVID-19 zu erkranken und auf einer Intensivstation zu landen. Aber auch Menschen mit einem milden Verlauf der Erkrankung machen sich zunehmend Gedanken, wie es wohl nach ihrer Genesung weitergehen wird. Ihre Besorgnis bezieht sich auf den tückischen Langzeiteffekt des Atemwegssyndroms – im Fachjargon Long Covid genannt. Einer wissenschaftlichen Studie aus dem chinesischen Wuhan zufolge, litten rund drei Viertel der Teilnehmenden noch sechs Monate nach ihrer Infektion an diversen Symptomen. Eine spätere Untersuchung der Universität Washington zeichnet ein ähnliches Bild. Hier berichtete etwa ein Drittel aller Patienten, dass es sogar neun Monate nach der Erkrankung noch mit gesundheitlichen Einschränkungen zu kämpfen habe. Eine deutsche Studie, die an der Kölner Universität durchgeführt wurde, hat ergeben, dass auch noch ein halbes Jahr nach der Ansteckung mit SARS-CoV-2 jeder zehnte ambulant versorgte Patient an für Long Covid charakteristischen Symptomen leidet, die aus einer vorangegangenen COVID-19 Erkrankung resultieren.

Die Auswirkungen von Long Covid sind vielfältig

Die Symptome der Langzeitform der Coronaerkrankung sind zahlreich. Sie können das Leben der Betroffenen für viele Monate einschränken und zum Teil sehr heftig ausfallen. Zu den Auswirkungen von Long Covid zählen Schlafstörungen, anhaltende Müdigkeit und starke Erschöpfungszustände schon bei kleinsten Belastungen. Viele Patienten klagen zudem über Kurzatmigkeit, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Konzentrationsstörungen und Gedächtnisschwächen. Häufig wurde bei hospitalisierten Patienten schwere Atemnot festgestellt, die als das Resultat von schweren Schäden an der Lunge verursacht wird. Der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns gehört ebenso zu den weit verbreiteten Symptomen. Zum Teil müssen die Betroffenen das Schmecken und Riechen in entsprechenden Trainings mit mühsamer Kleinstarbeit erst wieder erlernen. Eine nicht zu unterschätzende Folge der Langzeitform von Corona sind außerdem Depressionen. Auch aus diesen müssen sich die Patienten mit viel psychischem Aufwand erst befreien, um nach der Genesung wieder voll in ihren privaten und beruflichen Alltag einsteigen zu können.

JEDER kann von Long Covid betroffen sein

Ob jemand unter den Folgen von Long Covid leiden muss und wie stark die Symptome bei Langzeitfolgen ausgeprägt sind, kann aus momentanem Stand der Wissenschaft nicht eindeutig gesagt werden. Fakt ist, dass eine vorangegangene Infektion mit dem Virus Sara-CoV-2 Voraussetzung ist. Handelt es sich bei dieser Erkrankung um eine unauffällige, schwach ausgeprägte Infektion, so gilt die Wahrscheinlichkeit unter Spätfolgen zu leiden, als relativ gering. Das bedeutet aber nicht, dass zwangsläufig langfristige Schwierigkeiten auftreten müssen, nachdem die eigentliche Krankheit überstanden ist. Studien aus vergangenen Monaten haben aber belegt, dass die Risikofaktoren, die eine COVID-19 Erkrankung begünstigen, ähnlich sind wie jene, die die Gefahr an den Spätfolgen von Long Covid zu leiden, verstärken.

Zu den begünstigenden Faktoren von Long Covid zählen unter anderem:

  • Fortgeschrittenes Alter – Personen über 50 Jahre
  • Vorerkrankungen, wie z.B. Asthma und andere Lungenkrankheiten
  • Schweres Übergewicht
  • Intensiver Krankheitsverlauf der COVID-19 Erkrankung (mind. 5 der folgenden Symptome: Kopfschmerzen, Husten, den Verlust des Geruchssinns, Durchfall und permanente Müdigkeit)

Sars-CoV-2 könnte sich im Körper ansiedeln

Die gute Nachricht ist, dass nicht jeder, der eine Coronavirus-Infektion durchgemacht hat, von Long Covid betroffen ist. Wie es bei so vielen Genesenen allerdings dazu kommt, konnten Wissenschaftler bis heute noch nicht vollständig klären. Zwei mögliche Antworten auf diese Frage liefert die Medizinerin Akiko Iwasaki. Die an der Universität Yale tätige Immunologin untersucht schon seit Längerem, weshalb manche Patienten über Monate hinweg unter den Spätfolgen ihrer Covid-19-Erkrankung leiden. Eine ihrer Theorien besagt, dass sich das Coronavirus in Zellen oder Geweben des Körpers einnisten könnte, wie die Wissenschaft es auch von anderen Erregern wie dem Varizella-Zoster-Virus (Verursacher von Windpocken und Gürtelrose) kennt. Sars-CoV-2 oder Teile davon könnten demnach noch nach der Genesung des Patienten im Dünndarm oder den Nervenzellen verbleiben. Die andere Theorie spricht von Long Covid als einer Autoimmunreaktion. Bei dieser greift das Abwehrsystem des Körpers die eigenen Zellen an und verursacht dadurch vielfältige Symptome.

Kann eine Impfung vor Long Covid schützen?

Seit Beginn der Pandemie ist die Forschung glücklicherweise ein gutes Stück weitergekommen. Durch die nun verfügbaren Impfungen sind besonders in den höheren Altersgruppen schon viele Menschen immunisiert. Die Ausbreitung des Virus in diesen konnte dadurch eingedämmt werden. Infolge ist die Belegung der Krankenhäuser und insbesondere der Intensivstationen europaweit zurückgegangen. Die in Europa erhältlichen Vakzine helfen also nachweislich dabei, Menschen vor einem schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung zu schützen. Außerdem vermindern sie die Ansteckungsgefahr. Aber senkt ihre Verabreichung auch das Risiko, von Long Covid betroffen zu sein? Zum jetzigen Zeitpunkt weist die Datenlage darauf hin, die vorhandenen Informationen sind aber noch nicht umfangreich genug, um letztendliche Gewissheit zu haben.

Impfungen gegen Sars-CoV-2 wirken eventuell wie ein Medikament

Besonders Berichte aus den USA geben Anlass zur Hoffnung. In den Vereinigten Staaten, wo bereits jeder zweite Erwachsene einen vollständigen Impfschutz besitzt, berichten immer mehr Menschen über die positiven Auswirkungen der Immunisierung auf ihre Long-Covid-Erkrankung. So zitierte die Washington Post eine junge Frau, die nach ihrer Coronavirusinfektion unter den Langzeitfolgen litt. Kurz nach ihrer zweiten Impfung mit einem zugelassenen Vakzin verschwanden ihre Symptome, um nicht wieder zurückzukehren. Ähnliche Berichte gibt es aus vielen Teilen des Landes. Es scheint also so zu sein, dass die Impfungen nicht nur das Ansteckungsrisiko minimieren. Bei vielen Long-Covid-Patienten dürften sie den Anekdoten zufolge wie eine Art Medikament wirken.

Die Impfung aktiviert das Immunsystem

Die vielversprechenden Berichte deuten führende Forscher so: Durch eine Impfung wird die Tätigkeit des Immunsystems angekurbelt. Aufgrund dieser erhöhten Aktivität gelingt es ihm schließlich, auch die eingenisteten Viren oder Virenfragmente zu erreichen und zu besiegen. Auch für den Fall, dass Long Covid eine Autoimmunreaktion wäre, haben die Wissenschaftler eine Erklärung parat. So könnte der verabreichte Impfstoff die Abwehrzellen ablenken und diese dadurch dazu veranlassen, das Virus erfolgreich zu bekämpfen. Manche Forscher meinen auch, dass eine Kombination aus beiden Varianten möglich sei. In einem sind sich aber alle Mediziner einig: Zur endgültigen Klärung der Frage, ob eine Impfung zuverlässig vor Long Covid schützt oder sich zu dessen Behandlung eignet, benötigt es zusätzliche Studien.

Fazit: Ob sich eine Impfung mit einem zugelassenen Vakzin dazu eignet, Long Covid zu verhindern oder seine Auswirkungen zu bekämpfen, lässt sich noch nicht mit Sicherheit sagen. Die momentan vorhandenen Daten weisen aber in diese Richtung und geben Anlass zur Hoffnung.

Verwendete Quellen:
htps://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(20)32656-8/fulltext
https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2776560
https://www.praxisvita.de/schuetzt-die-corona-impfung-vor-long-covid-19684.html
https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/corona-helfen-die-impfungen-auch-gegen-long-covid-a-393bbfe3-2bc1-4f1f-87ae-e0d72dad076f

Fotoquellen: Adobe Stock, https://stock.adobe.com; https://elements.envato.com

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