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Die Mammografie – was ist das?

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Mammographie und was sollte man dabei beachten?

Unter Mammographie versteht man die radiologische Untersuchung der Brust. In der Regel werden dabei einerseits Röntgenstrahlen und andererseits Ultraschall verwendet. Meistens wird diese Untersuchung an Frauen und durchgeführt, es gibt allerdings auch Fälle wo eine Mammographie auch bei Männern indiziert ist. Was die wenigsten wissen ist nämlich, dass jeder 100. Fall von Brustkrebs in einer männlichen Brust entsteht.

In welchen Fällen sollte eine Mammographie durchgeführt werden?

Erstens wird die Mammographie als Screening-Untersuchung für Brustkrebs empfohlen. 

Beim Brustkrebs handelt es sich um das häufigste Karzinom der Frau in den Industrienationen. Aus diesem Grund werden alle Frauen ab dem 45. bis zum Lebensjahr dazu eingeladen, alle zwei Jahre eine Mammographie durchführen zu lassen, selbst wenn sie keine Symptome aufweisen.

Eine weitere Indikation für eine Mammographie ist es, wenn eine Patientin, unabhängig vom Alter und ihrer Vorgeschichte einen neu aufgetretenen unklaren Knoten oder eine Verhärtung in der Brust findet oder aber an sich die Brustkontur verändert, beziehungsweise wenn es außerhalb der Stillzeit zu einer Sekretion aus der Brustwarze kommt.

Ein dritter möglicher Grund, um diese Untersuchung durchführen zu lassen ist die Nachsorge von Patientinnen, die bereits früher eine Brustkrebs Erkrankung hatten und nun als geheilt gelten. Diese Patientinnen sollten einmal jährlich eine Nachsorge Mammographie durchführen lassen um ein etwaiges Rezidiv, also ein Wiederauflammen der Erkrankung, so früh wie möglich erkennen und therapieren zu können.

Weitere mögliche Gründe für eine Vorsorge Mammographie ist eine Voruntersuchung vor einer aus kosmetischen Gründen geplanten Brustverkleinerung oder Berufsstraffung. Dabei möchte man vermeiden, dass nachträglich im entnommenen Gewebe vom Pathologen ein Karzinom gefunden wird und man nicht mehr weiß ob es vollständig entfernt worden ist oder ob ein Teil in der noch verbliebenen Brust der Patientin ist.

Wie läuft die Mammographie Untersuchung ab?

Die Brust wird zwischen zwei Platten eingeklemmt und in zwei verschiedenen Ebenen, einmal horizontal und einmal schräg vertikal mit Röntgenstrahlung durchstrahlt. Dabei werden einerseits bestimmte Architekturstörungen oder bösartige Herdbefunde entdeckt und andererseits häufig auch der so genannte Mirkokalk, ein häufiges Frühzeichen einer bestimmten Brustkrebsform, des so genannten DCIS (Ductales Carcinoma in situ).

Anschließend wird auch noch eine Ultraschalluntersuchung beider Brüste und auch der Lymphknoten im Achselbereich durchgeführt.

Ist eine Mammographie schmerzhaft?

Das kommt ein bisschen auf die individuelle Empfindlichkeit der einzelnen Patientin an. Durchaus kommt es immer wieder vor, dass manche Patientinnen die Untersuchung als unangenehm empfinden können, allerdings dauert sie insgesamt nur kurz und ist in jedem Fall wirklich auszuhalten. Und lassen Sie sich versichern, jede Form von zu spät erkanntem Brustkrebs ist um ein vielfaches unangenehmer als die wenigen Minuten in denen die Brust im Rahmen dieser Vorsorgeuntersuchung kurzzeitig gequetscht wird.

Wann sollte eine Mammographie idealer Weise durchgeführt werden?

Wenn  die Patientin noch nicht in der Menopause ist, empfiehlt es sich in jedem Fall die Mammographie in der ersten Zyklus Hälfte durchführen zu lassen, idealerweise zwischen dem 5. und dem 15. Zyklus Tag. Hierfür gibt es mehrere Gründe: Erstens ist in dieser Phase des Gewebe für den Radiologen leichter zu beurteilen (gutartige Veränderungen sind besser von bösartigen unterscheidbar) und zweitens ist erfahrungsgemäß das Brustdrüsengewebe (Parenchym) bei einer prämenopausalen Patientin in der ersten Zyklushälfte weniger schmerzempfindlich,  so dass die Untersuchung nicht besonders unangenehm ist.

Mit welchem Ergebnis kann man bei einer Mammographie rechnen?

Jede durchgeführte Mammographie sollte nach einem so genannten BIRADS klassifiziert werden. BIRADS steht dabei für Breast Imaging Reporting and Data System. Das ist die Aufgabe des befundenden Radiologen. Dabei werden verschiedene Abstufungen, nämlich BIRADS 0 bis BIRADS 6 vergeben.

Was bedeuten die verschiedenen BIRADS Klassen?

BIRADS 0 bedeutet, dass anhand der vorliegenden Befunde eine endgültige Beurteilung nicht möglich ist. Der Radiologe empfiehlt in diesem Fall entweder die Durchführung weiterer Untersuchungen, beispielsweise die Durchführung einer MRT, oder das Nachbringen etwaig vorhandener Vorbefunde um einen besseren Vergleich und daher eine bessere Beurteilung der gesehenen Veränderungen durchführen zu können

BIRADS 1 bedeutet, dass es in der Brust keinerlei Auffälligkeiten gibt. Das ist sozusagen eine vollständig gesunde weibliche Brust.

BIRADS 2 bedeutet, dass es in der Brust zwar bestimmte Veränderungen gibt, diese Veränderungen allerdings gutartig sind. Die meisten Frauen haben einen BIRADS 2 Befund. Dieser wird vergeben, wenn in der Brust beispielsweise harmlose Zysten oder so genannte Fibroadenome, das sind gutartige Tumore in der weiblichen Brust in die nicht entarten, gefunden werden.

BIRADS 3 bedeutet, dass die Veränderungen unklar sind und von radiologische Seite eine neuerliche Kontrolle in sechs Monaten erfolgen sollte. Dennoch erachtet der befundende Radiologe die Veränderungen für mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit (über 98%) gutartig. Insgesamt sollte ein BIRADS 3 Befund dreimal im Abstand von zwei Jahren kontrolliert werden. Sollte der Befund über diesen gesamten Zeitraum unverändert bleiben, darf wieder auf BIRADS 2, also gesund und unbedenklich, zurückgestuft werden.

BIRADS 4 ist ein Befund, der für den Radiologen so verdächtig ist, dass er die Durchführung eine bioptischen Abklärung empfiehlt. In diesem Fall muss die Patientin sich umgehend an ein spezialisiertes Zentrum wenden, um eine rasche weitere Abklärung zu bekommen. Die dort tätigen Ärzte sind äußerst erfahren mit solchen Fragestellungen, beraten die Patientin und entscheiden, welche Biopsieform zur Diagnosesicherung am empfehlenswertesten erscheint.

Wenn Sie mehr Informationen über Biopsien der Brust lesen möchten, empfehle ich Ihnen folgenden Artikel.

BIRADS 5 ist ähnlich wie BIRADS 4 nur in gewisser Weise noch verdächtiger. Hierbei ist der bildmäßige Verdacht auf ein bösartiges Geschehen für den Radiologen derartig dringend, dass er im Falle einer Biopsie, die pathologisch unauffällig ist, auf die Wiederholung der Biopsie besteht. Mit anderen Worten: im Gegensatz zu BIRADS 4 drückt mit BIRADS 5 der Radiologe nicht nur den Verdacht sondern mehr oder weniger die bildmäßige Gewissheit einer bösartigen Erkrankung in der Brust aus.

BIRADS 6  wird vergeben, wenn es bereits bekannt ist dass es sich um ein Karzinom handelt und dieses bereits histologisch verifiziert worden ist. Das bedeutet BIRADS 6  erhalten zum Beispiel Patientinnen, die ein Karzinom haben und vor der OP noch eine sogenannte neoadjuvante Chemotherapie bekommen im Rahmen ihrer Zwischenuntersuchungen. Da weiß man schon sicher, dass es sich um Krebs handelt und dieser Krebs ist bereit histologisch verifiziert. Daher also BIRADS 6. Wenn eine Patientin früher mal Krebs hatte, dieser Krebs aber mittels einer Chemotherapie und Operation und oder Bestrahlung entfernt wurde und die Patientin als geheilt gilt, ist normalerweise ihr Befund ein BIRADS 2 (die Brust ist du nicht unauffällig, denn in der Regel gibt es nach einer Operation zum Beispiel narbige Veränderungen, aber eben keinen Hinweis auf Krebs).

Welche weiteren Spezialuntersuchungen gibt es für die Brust, wann macht man ein MRT?

In bestimmten Fällen wird zusätzlich zu der Mammographie und der Ultraschalluntersuchung noch eine MRT Untersuchung der Brust empfohlen. Beispielsweise wenn es im Ultraschall und in der Mammographie einen unklaren Befund gibt (BIRADS 0), und der Radiologe eine weitere Untersuchung für die endgültige Befundung braucht.

Eine weitere Indikation sind so genannte Hoch Risiko Patientinnen, das sind Patientinnen, in deren Familienanamnese zahlreiche Brustkrebs Fälle vorliegen (Mütter, Schwestern, Tanten, Großmütter an Brustkrebs erkrankt). Hier wird zur Erhöhung der Sicherheit zusätzlich zu den regelmäßigen Screening Untersuchungen mittels Mammographie und Ultraschall auch das regelmäßige Durchführen einer MRT empfohlen.

Ein weiterer Grund sind Brust Implantate. Diese können manchmal die Befundung der Mammographie deutlich erschweren weil die Röntgenstrahlen das Implantat nicht durchdringen können. Um hier eine etwas höhere diagnostische Sicherheit zu erreichen, kann man zusätzlich MRT durchführen lassen.  Keinesfalls aber sollte man bei Implantaten nur ein MRT machen und von Mammographie und Ultraschall Abstand nehmen.

Wie läuft die MR Mammograpie ab?

Die Patientin erhält ein Kontrastmittel über die Armvene. Während der Untersuchung liegt sie für etwa eine halbe Stunde auf dem Bauch und sollte sich dabei möglichst wenig bewegen. Bevor die MRT der Brust durchgeführt werden kann, sollte eine Blutabnahme erfolgen, mit der die Nierenfunktionsparameter kontrolliert werden, da diese für die Kontrastmittelgabe wichtig sind.

Der optimale Zeitpunkt für ein MRT der Brust ist bei prämenopausalen Frauen der 5. Bis 15. Zyklustag. Bei Frauen nach der Menopause ist der Zeitpunkt unerheblich. Schwierig ist es bei Frauen, die eine Hormonspirale tragen, da es bei diesen Frauen sehr wohl zyklische Veränderungen des Parenchyms gibt, aber die meisten keine Blutung mehr haben, so dass die Zyklusphase hier unklar ist.

Ist das MRT die „bessere Mammographie“?

Nein auf gar keinen Fall. Es ist einfach eine andere Art der Untersuchung. Als Fachärztin für Radiologie mit Spezialgebiet Brustdiagnostik rate ich dringend davon ab selbstständig anstatt zur konventionellen Mammographie zuerst zum MRT zu gehen. Sie bekommen dadurch keine höre diagnostischen Sicherheit. Im Gegenteil an wenig qualifizierten Zentren mit Kollegen, die nicht hauptsächlich MRTs der Brust befunden, erhalten Sie manchmal Befunde, die mehr Fragezeichen liefern als Antworten und die Patientinnen nur unnötig verunsichern. Bei unklaren Tastbefunden der Brust oder wenn ein Screening gewünscht ist, sollte der erste diagnostische Schritt immer ein Ultraschall und gegebenenfalls einen Mammographie sein, erst dann, falls notwendig, ein MRT. Glücklicherweise sind nämlich die allerhäufigsten Tastbefunde in der Brust simple Zysten, die bereits mit einem Ultraschall sicher von bösärtigen Veränderungen unterschieden werden können.

verfasst von:

Dr. Vjara Ilieva, Fachärztin für Radiologie

Nach dem Medizinstudium an der Universität Wien hat Frau Dr. Ilieva die Ausbildung zur Ärztin für Allgemeinmedizin und später auch zur Fachärztin für Radiologie abgeschlossen.

Nach nun mehr insgesamt 12 Jahren Tätigkeit im Krankenhaus Hietzing und im Wilhelminenspital in Wien hat Frau Dr. Ilieva seit kurzem zusätzlich ihre eigene Wahlarztordination in Baden bei Wien sowie in Wien eröffnet. 

Fotoquellen: Adobe Stock, https://stock.adobe.com; https://elements.envato.com

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